Digitalisierung in der Logistik: So geht Logistics Automation

Janina Horn

Die Digitalisierung in der Logistik hat durch die Corona Pandemie einen großen Sprung nach vorne gemacht, da bei gleichzeitig sinkender Marge umfassende Veränderungen im Bereich Prozessautomatisierung unumgänglich waren. 

Neben der reinen Digitalisierung von Akteuren der Logistikkette und der Optimierung von Waren- und Lagermanagement mussten zudem die operativen Abstimmungen auf digitaler Ebene und somit der Datenaustausch optimiert werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Digitalisierungsoffensiven gehen inzwischen über die reine Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern im Homeoffice hinaus und stellen entscheidende Wettbewerbsfaktoren für die strategische Positionierung des Logistikdienstleisters in der Lieferkette dar.

Die Kombiniation aus hohen Kundenanforderungen durch vorschreitende Automatisierung der Logistik und die neuesten Entwicklungen zu KI und Low Code bieten Softwareherstellern und IT-Häusern die Möglichkeit, sich durch modernste Software Module von der Konkurrenz zu differenzieren.

Digitalisierung in der Logistik Definition

Logistik 4.0: Definition

Logistik 4.0 beschreibt die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Bereich des Transport- und Versorgungswesens sowie die Unterstützung und Mitgestaltung der Digitalisierung und Automatisierung durch unternehmens- und funktionsübergreifende Koordinationsaufgaben der Logistik.

Dabei geht es um Veränderungen in den drei Hauptbereichen der Logistik:

  1. Transport: Transportlogistikanbieter kümmern sich um die physische Beförderung von Waren von einem Ort zum anderen. Dies kann Dienstleistungen wie Lkw-, Bahn-, Luft- und Seetransport umfassen. Diese Anbieter können auch Mehrwertdienste wie Verpackung und Zollabfertigung anbieten.
  2. Lagerwesen: Anbieter von Lagerlogistik kümmern sich um die Lagerung und Verteilung von Waren. Sie stellen Lagerraum für die Bestände zur Verfügung und erbringen Dienstleistungen wie Auftragsabwicklung, Kommissionierung und Bestandsverwaltung. Sie können auch Mehrwertdienste wie Konfektionierung und Montage anbieten.
  3. Logistikverwaltung: Logistikmanagement-Anbieter übernehmen die Koordination und das Management des gesamten Logistikprozesses. Dies kann Dienstleistungen wie Transportmanagement, Bestandsmanagement und Lieferkettenoptimierung umfassen. Sie können auch Mehrwertdienste wie Zollabfertigung und Rückwärtslogistik anbieten.

Einige Logistikdienstleister bieten eine Kombination der oben genannten Dienstleistungen an, während sich andere auf einen oder zwei Bereiche spezialisieren. Nicht nur die Wahl des richtigen Logistikanbieters, sondern auch der richtigen Software Module, hängt von den spezifischen Bedürfnissen eines Unternehmens und der Art der zu versendenden Waren ab.

Die digitale Transformation sorgt durch das Vernetzen logistischer Prozesse für mehr Transparenz in den Zuliefer- und Versandketten und damit für ein besseres Supply Chain Management. 

Herausforderungen

Mit der Digitalisierung gehen einige Herausforderungen einher, die Unternehmen lösen müssen.

Durch die enormen Datenmengen wird der Datenschutz zu einem zentralen Aspekt. Hierfür müssen zuverlässige Lösungen die Sicherheit sämtlicher Unternehmensdaten gewährleisten.

Die Zunahme der Datenmenge sorgt für eine erhöhte Prozess- und Informationskomplexität. Wichtig dafür ist eine passende Anwendung, die der Komplexität gewachsen ist und Ihre Mitarbeiter dahingehend entlastet. 

Generell sollte für die Akzeptanz der Veränderung durch die Mitarbeiter gesorgt werden. Es ist ein Umdenken im Rahmen der Arbeitsorganisation notwendig, da sich nun Menschen und Roboter nicht mehr nur ergänzen, sondern zusammenarbeiten. Vor allem, da die Digitalisierung der Logistik kein Prozess ist, der einfach abgeschlossen werden kann, sondern kontinuierliche Anpassung erfordert.

Digitalisierung in  der Logistik Symbole

Wie funktioniert Logistics Automation?

Die Digitalisierung in der Logistik verfolgt 4 zentrale Ziele:

  • Vernetzung
  • Dezentralisierung
  • Echtzeitfähigkeit 
  • Serviceorientierung

Die logistischen Prozesse werden vernetzt, was zu mehr Transparenz zwischen Unternehmen und Zulieferern führt, wodurch die gesamte Supply Chain verbessert werden kann. Die Veränderungen zielen dabei z. B. auf die 6R ab: 

Das richtige Produkt in der richtigen Qualität zur richtigen Zeit am richtigen Ort in der richtigen Menge zu den richtigen Kosten.

Ziel der Digitalisierung der Logistik ist es, basierend auf bestehenden Daten eine kognitive Logistik zu entwickeln, die nicht nur lernfähig ist, sondern auch untereinander kommuniziert und dazu fähig ist, selbstständig Entscheidungen zu treffen, sodass ein Einwirken des Menschen nicht mehr notwendig ist.

Diese Cyber-Physical-Systems sollen sämtliche Informations- und Materialflüsse unternehmensintern sowie unternehmensübergreifend in ihrer Effizienz und Effektivität steigern. 

Konkrete Verbesserungen in den einzelnen Bereichen der Logistik: Beispiele

Um die Vorteile der Logistics Automationnutzen zu können, muss diese in allen Bereichen der Logistik angewendet und umgesetzt werden. Nachfolgend finden Sie ein paar Beispiele, wie das aussehen kann.

Lagerlogistik:

  • Intelligente Regale
  • Fachanzeigen
  • Datenbrillen (Pick-by-Vision)
  • mobile Roboter
  • Optimierte Fahrtwege

Transportlogistik:

  • Intelligente LKW
  • Intelligente Container
  • Intelligente Paletten

Beschaffungslogistik:

  • Bestandsmessung über Sensorik
  • Automatische Wiederbeschaffung

Produktionslogistik:

  • Digitale Fabrik
  • Kundenindividuelle Produktion

Distributionslogistik:

  • Optimierung der Beladung
  • Routenauswahl

Informationslogistik:

  • Papierlos
  • Digital
  • Echtzeit
  • Datenanalysen
  • Ressourcenschonung

Vorteile der Digitalisierung in der Logistik

Aus der Digitalisierung der Logistik können Sie folgende Vorteile ziehen:

  • Sicherstellen der Datenqualität von produktspezifischen Stammdaten inkl. der Auswertung von Zusammenhängen
  • Bessere Umsetzungsmöglichkeiten durch internationales Kontaktnetzwerk 
  • Erschließen neuer Arbeitsmärkte durch internationale Vernetzung

Technologien der Logistik 4.0

Logistikunternehmen müssen auf der einen Seite konkrete Lösungsansätze für die eigenen Anforderungen entwickeln, können jedoch auf Systemhäuser und Spezialsoftwareanbieter zurückgreifen, die modernste IT Lösungen für die Branche entwickelt haben..

Ein wichtiger Teil davon sind die bereits erwähnten Cyber-Physical-Systems (CPS), die sowohl eingebettete Systeme wie Geräte, Gebäude und Verkehrsmittel als auch Logistik-, Koordinations- und Managementprozesse sowie Internetdienste umfassen.

Ihre Aufgaben bestehen aus:

  • dem Erfassen physikalischer Daten mittels Sensoren und mithilfe von Aktoren auf physikalische Prozesse einzuwirken
  • der Auswertung und Speicherung der gesammelten Daten und auf dieser Basis aktiv oder reaktiv mit der digitalen und der physischen Welt zu interagieren
  • Bei Bedarf Zugriff auf weltweit zur Verfügung stehende Daten und Dienste 

Die CPS sind über digitale Netze miteinander verbunden und verfügen über multimodale Mensch-Maschine-Schnittstellen, die differenzierte und dezidierte Möglichkeiten zur Kommunikation und Steuerung bereitstellen (z. B. Sprachen und Gesten).

Durch Logistik 4.0 werden produzierende Unternehmen und Logistikdienstleister Lager, Distributionszentren und Transporte sowie Reversed-Logistics-Chains gemeinsam nutzen. Durch diese umfassenden Waren-, Finanz und Informationsströme sind umfassende Verbesserungen für alle Wertschöpfungen der Logistik, egal ob Transport, Lager oder Logistik, möglich.

Konkret können Ihrem Logsístikunternehmen z. B. folgende Technologien einen Vorteil verschaffen:

  • Dokumentenmanagementsystem (DMS) für die intelligente, digitale Dokumentenverwaltung per OCR (Optical Character Recognition)
  • Automatisierung und Robotik: Automatisierte Lager, Roboter für die Kommissionierung und Verpackung sowie autonome Fahrzeuge für den Transport und die Auslieferung tragen zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung in der Logistikbranche bei
  • Internet der Dinge (IoT) und Sensortechnik: Mithilfe von IoT-Geräten und Sensoren lassen sich Standort und Zustand von Waren in Echtzeit verfolgen, was eine bessere Bestandsverwaltung und Routenoptimierung ermöglicht.
  • Blockchain-Technologie: Mit Hilfe von Blockchain kann ein sicheres und transparentes digitales Transaktionsbuch erstellt werden, das die Transparenz und das Vertrauen in Lieferkettennetzwerke verbessern kann.
  • Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML): KI und maschinelles Lernen können zur Analyse großer Datenmengen, zur Optimierung des Routings und der Planung sowie zur Vorhersage der Nachfrage eingesetzt werden, wodurch Logistikunternehmen fundiertere Entscheidungen treffen können.
  • Cloud Computing: Mit Cloud Computing können Logistikunternehmen nach Bedarf auf leistungsstarke Rechenressourcen zugreifen, die zur Speicherung und Verarbeitung großer Datenmengen und zur Unterstützung der Entwicklung und Einführung neuer Logistiktechnologien genutzt werden können.
OCR VS EDI Symbole

OCR vs. EDI: Digitale Belegerfassung auf dem Prüfstand

In der Digitalisierung von Logistikunternehmen wurde früher häufig auf die Anwendung von EDI (Electronic Data Exchange) Schnittstellen gesetzt. Dabei entstehen hohe Entwicklungskosten, besonders bei der Anbindung von zwei Logistikpartnern. 

Diese Anbindung funktioniert und lohnt sich nur dann, wenn der Austausch zwischen den Partnern umfangreich ist und die Partner umfangreiche Geschäftskontakte pflegen. 

Neben der reinen intelligenten Dokumentenverwaltung bietet OCR dagegen die Möglichkeit, auch kleinere Partner digital anzubinden und somit die Prozesse zu optimieren.

Um ein vollumfassendes Bild der Automatisierung und des Dokumentenaustausches zwischen Unternehmen zu darzustellen, sollten die verschiedenen Technologien, in diesem Fall EDI und OCR gemeinsam genutzt werden.

EDI und OCR: Der Unterschied

OCR ist der englische Fachbegriff für die optische Zeichenerkennung – auch Texterkennung genannt. Es beschreibt den Vorgang, Texte aus Rastergrafiken, z. B. Scan-Ergebnissen, Bildern oder PDF-Dateien, zu erkennen und sie zu digitalisieren.

Unter dem elektronischen Datenaustausch (englisch electronic data interchange, EDI) versteht man den  elektronischen Austausch von Geschäftsdokumenten, wie beispielsweise Bestellungen, Lieferscheine und Rechnungen. Diese Dokumente werden zwischen den Geschäftspartnern in Form von strukturierten Daten und ohne manuelle Eingriffe ausgetauscht. Dafür gibt es festgelegte Standards, die international gelten.

Digitalisierung in der Logistik 3 Symbole OCR

Digitale Belegerfassung mit OCR

Mit OCR können Sie beinahe alles digitalisieren, was auf Papier vorliegt, z. B. Lieferscheine, Rechnungen oder Reklamationen. Auch digitale Dokumente wie PDFs können ganz einfach ausgelesen werden.

Ein gutes Beispiel für eine IDP Software, die Sie selbst an Ihre Bedürfnisse anpassen können, ist die cloudbasierte KI-OCR-Anwendung von Konfuzio. Die Anwendung eignet sich sowohl für Low-Code- und High-Code-Entwickelnde, die individuelle KI-Lösungen für die intelligente Automatisierung von Dokumenten entwickeln wollen.

Dabei profitieren Sie vor allem von folgenden Aspekten:

  • Keine hartcodierten Regeln
  • Anpassbare KI
  • Keine starren Layouts
  • Skalierbar
  • Mehrsprachige Dokumentenverarbeitung
  • Erkennung von Handschrift

Mehr zu Konfuzio und den Möglichkeiten, die OCR Anwendung in Ihr Unternehmen zu integrieren, finden Sie hier.

Der große Vorteil von OCR ist, dass Sie die Methode selbständig einsetzen können. Sie bringen Ihr System dazu, selbständig eingehende Belegarten unabhängig von der Herkunft zu verstehen. Nutzen Sie EDI, müssen Sie vor der Inbetriebnahme erst Ihre Geschäftspartner mit ins Boot holen. 

Gehört eine hohe Anzahl von Belegen oder Belege mit vielen Positionen zu Ihrem Tagesgeschäft, lohnt sich die Einrichtungszeit der OCR Software auf jeden Fall für Sie.

Digitalisierung in der Logitsik 3 Symbole EDI

Digitaler Datenaustausch mit EDI

EDI ist ein alternatives Verfahren für den Austausch von Daten, das durch eine hohen anfänglichen Abstimmungsaufwand mit Kunden und Lieferanten geprägt ist, jedoch auf PDF Dokumente verzichtet. EDI arbeitet als Schnittstellen-Format aufgrund des Datenaustausches über strukturierte Dateien wie z. B. JSON, CSV oder XML bereits durchgehend digital. 

Die Vorteile von EDI sind demnach:

  • Höhere Geschwindigkeit
  • Gesteigerte Geschäftseffizienz
  • Weniger Mehrfachbearbeitung und geringere Fehlbestände im Lager dank unverzüglicher Bearbeitung elektronischer Geschäftsdokumente

Es ist abzusehen, dass EDI und die Digitalisierung von Daten zum Standard werden, da es schon jetzt zunehmend ein Kriterium für die Lieferantenauswahl in größeren Unternehmen darstellt. 

Der Nachteil einer EDI Schnittstelle besteht darin, dass alle Partner zu allen anderen relevanten Partnern eine Schnittstelle bauen müssen, um Informationen auszutauschen. 

Je mehr Partner ein Unternehmen in der Logistikbranche hat, desto mehr Schnittstellen müssen gebaut werden. Man erkennt sehr schnell, dass die Anzahl der zu bauenden Schnittstellen exponentiell gegenüber der Anzahl der Teilnehmer der Supply Chain wächst und somit die Schnittstellen sehr schnell teuer werden können.

Zudem lohnen sich Schnittstellen meist nur für Logistikpartner, die ein hohes Volumen an einem Datenaustausch notwendig machen. Kleinere und in einer geringeren Frequenz genutzte Logistikdienstleister sind unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten meistens nicht für die Schnittstelle anwendbar.

Wichtig ist dabei, dass nicht nur Sie in Ihrem Unternehmen EDI einführen, sondern dass auch Ihre Geschäftspartner umsteigen. Sonst kann keiner EDI nutzen. 

Tipp: Denken Sie nun darüber nach, EDI einzuführen, sollten Sie Ihr ERP-System auf entsprechende Schnittstellen überprüfen und falls diese nicht ausreichen, über einen Wechsel nachdenken.

Zusammengefasst: Vor- und Nachteile von OCR und EDI

VorteileNachteile
OCRKann unilateral eingeführt werdenGeringere Effizienz des Datenaustausches als bei EDI
Fallback bei Tausenden von Zulieferern, wenn einer kein EDI anbietet
EDIVoll digitaler Datenaustausch, vollständige Automatisierung, sofern Kunden und Lieferanten EDI als Schnittstelle anbindenJeder Partner muss EDI implementieren, damit es eingesetzt werden kann
Höhere Geschwindigkeithohen anfänglichen Abstimmungsaufwand mit Kunden und Lieferanten

Fazit: Kombinieren Sie OCR und EDI für den umfassenden Erfolg

Das OCR-Verfahren sorgt für eine schnelle Optimierung durch elektronische Verarbeitung von Belegen, was sich besonders bei einer hohen Beleg- bzw. Positionsanzahl lohnt. Sie können die Anwendung, ohne sich mit Ihrem Geschäftspartner absprechen zu müssen, einführen und direkt nutzen, was Ihnen schnelle Handlungsfreiheit ermöglicht.

Trotzdem sollten Sie auch das EDI im Blick behalten, da es gerade bei großen Lieferanten und Kunden eine lohnende Investition und volldigitale Integration darstellen kann. Um die Schnittstelle sinnvoll nutzen zu können, müssen Sie allerdings Ihre Geschäftspartner mit in’s Boot holen.

Mehr zum Thema:

Egal wie Sie sich entscheiden: Fakt ist, dass die digitale Belegerfassung einen großen Teil der Logistik digitalisiert und optimiert. Sie sparen nicht nur Zeit ein und reduzieren Fehler, sondern senken auch die Prozesskosten. 

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