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Bilanzbuchhaltung am Beispiel einer GmbH im SKR 04

Zusammenfassen mit ChatGPT

Dieser Artikel zum Thema Bilanzbuchhaltung erläutert die Logik der doppelten Buchführung von der Gründung einer Kapitalgesellschaft in Deutschland über den ersten Warenhandel bis hin zum ersten Jahresabschluss . Durch eine überschaubare Anzahl von Geschäftsvorfällen zeigt dieser Artikel die Anwendung der doppelten Buchführung einer GmbH.

Wenn Sie etwas Zeit investieren, verstehen Sie auch ohne betriebswirtschaftliche Ausbildung den Zusammenhang der Buchhaltung auf Kontenebene, der Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Bilanz durch praktisch nachvollziehbare Geschäftsvorfälle. Dieses Verständnis ist die Grundlage für jede korrekte Automatisierung des internen oder externen Rechnungswesens.

Sollten dieser Artikel Begriffe verwenden, die Sie bisher noch nicht kennen, empfehlen wir Ihnen die Lernvideos des Lehrstuhls Allgemeine Betriebs­wirtschafts­lehre und Betriebs­wirtschaft­liche Steuerlehre geleitet von Prof. Dr. Philipp Dörrenberg an der Universität Mannheim zusätzlich zu öffnen und bei Bedarf das für Sie relevante Video anzusehen.

Dieser Beitrag ermöglicht es Ihnen den Artikel Bonitätsprüfung automatisieren – Beispiel für eine GmbH besser zu verstehen und bildet die fachliche die Basis Geschäftsvorfälle einzuordnen und die Kreditwürdigkeit zu analysieren.

Beispiel einer GmbH mit Sachgründung – Von der Eröffnungsbilanz bis zur Schlussbilanz

Eine GmbH ist zur ordnungsgemäßen Buchführung verpflichtet. Dieser Artikel beschreibt alle notwendigen Buchungen von der Eröffnungsbilanz über laufende Geschäftsvorfälle bis hin zur Gewinn- und Verlustrechnung und der Schlussbilanz. Die GmbH wird in diesem Beispiel nicht mit einer Barkapitaleinlage, sondern mit einem Grundstück im Wert von 1.000.000 € gegründet.

Die Buchungen folgen dem Standardkontenrahmen SKR 04. Bei einem Konto handelt es sich um Konten der Buchhaltung. Sollte dieses Thema neu für Sie sein, sehen Sie sich unbedingt das Video die doppelte Buchführung an. Einen Überblick aller Konten bietet die Homepage Buchungssatz.de » Geschäftsvorfälle richtig kontieren und buchen von A-Z.

Eröffnungsbilanz der GmbH

Die GmbH wird durch eine Sacheinlage gegründet. Das eingebrachte Grundstück hat einen Wert von 1.000.000 €. Da eine GmbH ein Mindestkapital von 25.000 € benötigt, gilt dieser Wert als Stammkapital. Dieses wird in der Bilanz als gezeichnetes Kapital ausgewiesen, während das Grundstück als Anlagevermögen verbucht wird.

Eröffnungsbuchungen

KontoSoll (€)Haben (€)
Grundstücke (0200)1.000.000
Gezeichnetes Kapital (0800)1.000.000

Buchungssatz: Grundstücke (0200) 1.000.000 € an Gezeichnetes Kapital (0800) 1.000.000 €

Grundstücke werden grundsätzlich nicht abgeschrieben, da sie keiner Abnutzung oder Wertminderung durch Nutzung unterliegen. Die Buchung der Grunderwerbsteuer wird in dem Beispiel zur Vereinfachung ignoriert.

Eröffnungsbuchungen über das Eröffnungsbilanzkonto (EBK)

KontoSoll (€)Haben (€)
EBK (9000)1.000.000
Grundstücke (0200)1.000.000

Buchungssatz: EBK (9000) 1.000.000 € an Grundstücke (0200) 1.000.000 €

KontoSoll (€)Haben (€)
Gezeichnetes Kapital (0800)1.000.000
EBK (9000)1.000.000

Buchungssatz: Gezeichnetes Kapital (0800) 1.000.000 € an EBK (9000) 1.000.000 €

Geschäftsvorfälle im Laufe des Jahres

Nachdem das Unternehmen ordnungsgemäß gegründet wurde, entstehen laufende Geschäftsvorfälle. Diese umfassen den Verkauf von Waren, den Einkauf von Material sowie weitere betriebliche Aufwendungen wie Gehälter und Mietzahlungen.

Kundenbestellung und Verkauf von Waren

Ein Kunde bestellt 100 Stück eines Produkts zu einem Nettopreis von 200 € pro Stück.

Die Ausgangsrechnung beträgt:

  • Nettobetrag: 20.000 €
  • Umsatzsteuer (19 %): 3.800 €
  • Bruttobetrag: 23.800 €

Erfassung der Ausgangsrechnung:

KontoSoll (€)Haben (€)
Forderungen aus L+L (1400)23.800
Umsatzerlöse (8400)20.000
Umsatzsteuer (1776)3.800

Buchungssatz: Forderungen aus L+L (1400) 23.800 € an Umsatzerlöse (8400) 20.000 € und Umsatzsteuer (1776) 3.800 €

Nach Zahlungseingang wird der Betrag auf dem Geschäftskonto verbucht:

KontoSoll (€)Haben (€)
Bank (1200)23.800
Forderungen aus L+L (1400)23.800

Buchungssatz: Bank (1200) 23.800 € an Forderungen aus L+L (1400) 23.800 €

Einkauf von Materialien zur Produktion

Um die Bestellung des Kunden abzuwickeln, werden Rohstoffe, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe, Handelswaren und Fremdleistungen eingekauft. Die Nettokosten für den Einkauf belaufen sich auf insgesamt 10.000 Euro. Es werden alle Materialien für die Bestellung vollständig verbraucht.

Erfassung der Eingangsrechnung:

KontoSoll (€)Haben (€)
Aufwendungen für Rohstoffe (3000)3.000
Aufwendungen für Hilfsstoffe (3100)2.000
Aufwendungen für Betriebsstoffe (3200)1.000
Aufwendungen für Waren (3400)3.000
Fremdleistungen (3600)1.000
Vorsteuer (1576)1.900
Verbindlichkeiten aus L+L (1600)11.900

Löhne und Mietzahlung

Die Lohnabrechnung erfasst die Bruttolöhne der Mitarbeiter sowie die Abgaben für Lohnsteuer und Sozialversicherung. Da die Abgaben nicht sofort gezahlt werden, entstehen Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt und den Sozialversicherungsträgern.

Buchung der Lohnabrechnung:
KontoSoll (€)Haben (€)
Löhne und Gehälter (4100)3.000
Bank (1200)1.900
Verbindlichkeiten Finanzamt (1740)500
Verbindlichkeiten Sozialversicherung (1742)600

Versehentlich wird an die Sozialversicherung 1.000 Euro statt 600 Euro überwiesen.

1. Buchung der Lohnabrechnung

KontoSoll (€)Haben (€)
Löhne und Gehälter (4100)3.000
Bank (1200)1.900
Verbindlichkeiten Finanzamt (1740)500
Verbindlichkeiten Sozialversicherung (1742)600

Zahlung der fälligen Abgaben an das Finanzamt

Das Unternehmen hat gegenüber dem Finanzamt Steuerverpflichtungen aus der Umsatzsteuer und der Lohnsteuer. Die Umsatzsteuerzahllast beträgt 3.800 €, die aus den Verkäufen entstanden ist. Gleichzeitig wurde jedoch beim Einkauf von Materialien eine abzugsfähige Vorsteuer in Höhe von 1.900 € erfasst. Diese Vorsteuer kann mit der Umsatzsteuerzahllast verrechnet werden, wodurch sich die tatsächliche Umsatzsteuerzahlung auf 1.900 € reduziert.

Zusätzlich besteht eine Lohnsteuerverbindlichkeit in Höhe von 500 €, die einbehalten und an das Finanzamt abgeführt werden muss. Die Gesamtzahlung an das Finanzamt ergibt sich somit aus der reduzierten Umsatzsteuer von 1.900 € plus der Lohnsteuer von 500 €, also insgesamt 2.400 €, die vom Geschäftskonto beglichen werden.

KontoSoll (€)Haben (€)
Verbindlichkeiten Finanzamt (1740) (Lohnsteuer)500
Verbindlichkeiten Finanzamt (1776) (Umsatzsteuer)3.800
Vorsteuer (1576) (Verrechnung)1.900
Bank (1200)2.400

2. Zahlung der fälligen Abgaben an die Sozialversicherung

Die Verbindlichkeit gegenüber der Sozialversicherung in Höhe von 600 € wird ausgeglichen. Es wurden jedoch insgesamt 1.000 € überwiesen, obwohl nur 600 € fällig waren, wodurch eine Überzahlung von 400 € entsteht. Diese Überzahlung wird als negative Verbindlichkeit im Soll auf dem Konto 1742 gebucht. In der nächsten Abrechnungsperiode kann dieser Betrag entweder mit einer zukünftigen Zahlung verrechnet oder vom Sozialversicherungsträger zurückerstattet werden.

KontoSoll (€)Haben (€)
Verbindlichkeiten Sozialversicherung (1742)1.000
Bank (1200)1.000

Da der überzahlte Betrag zurückgefordert wird, erfolgt folgende Buchung:

KontoSoll (€)Haben (€)
Sonstige Forderungen (1360)400
Verbindlichkeiten Sozialversicherung (1742)400

Miete für Geschäftsräume

Zusätzlich fallen Mietkosten für Geschäftsräume an. Die Mietzahlung erfolgt direkt über das Bankkonto. Zur Vereinfachung des Beispiels wird angenommen, dass die Miete nicht Vorumsatzsteuerpflichtig sei.

KontoSoll (€)Haben (€)
Mietaufwand (4210)2.000
Bank (1200)2.000

Zahlung der Rechnung

Nach Erhalt der Lieferung wird die Lieferantenrechnung beglichen:

KontoSoll (€)Haben (€)
Verbindlichkeiten aus L+L (1600)11.900
Bank (1200)11.900

Der Einkauf wurde vollständig bezahlt und die entsprechenden Kosten wurden in der Buchhaltung erfasst. Alle Materialaufwendungen und Fremdleistungen sind für die Erfüllung der Kundenbestellung notwendig.

Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)

Da die GmbH in Deutschland ansässig ist und als Beispiel einem Gewerbesteuer-Hebesatz von 400 % unterliegt, müssen Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer auf den Gewinn berücksichtigt werden.

Die Körperschaftsteuer beträgt 15 % des steuerpflichtigen Gewinns. Bei einem Gewinn von 5.000 € ergibt sich eine Steuerbelastung von 750 €. Zusätzlich wird darauf der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 % erhoben, was zu einem weiteren Steuerbetrag von 41,25 € führt.

Die Gewerbesteuer wird zunächst anhand der Gewerbesteuermesszahl von 3,5 % berechnet. Der Gewerbesteuermessbetrag beträgt somit 175 €. Dieser Wert wird mit dem Hebesatz von 400 % multipliziert, wodurch sich eine Gewerbesteuerbelastung von 700 € ergibt.

Die gesamtsteuerliche Belastung setzt sich somit aus 750 € Körperschaftsteuer, 41,25 € Solidaritätszuschlag und 700 € Gewerbesteuer zusammen, also insgesamt 1.491,25 €. Nach Abzug dieser Beträge vom Gewinn verbleibt ein Jahresüberschuss von 3.508,75 €, der in der Bilanz als Gewinnvortrag erfasst oder ausgeschüttet werden kann.

PositionBetrag (€)
Umsatzerlöse20.000
Materialaufwand-10.000
Bruttoergebnis vom Umsatz10.000
Personalaufwand-3.000
Sonstige betriebliche Aufwendungen-2.000
Betriebsergebnis5.000
Steuern vom Einkommen und Ertrag-1.491,25
Körperschaftsteuer (15 %)-750
Solidaritätszuschlag (5,5 % der KSt)-41,25
Gewerbesteuer (Hebesatz 400 %)-700
Jahresüberschuss3.508,75

Das Unternehmen weist in der GuV einen Betriebsergebnis von 5.000 € aus.

Schlussbilanz der GmbH

Die Schlussbilanz stellt die Vermögenslage des Unternehmens am Jahresende dar.

AktivaBetrag (€)PassivaBetrag (€)
Anlagevermögen1.000.000Eigenkapital1.003.908,75
Umlaufvermögen5.400Rückstellungen1.491,25
Summe Aktiva1.005.400Summe Passiva1.005.400

Da das Unternehmen mit Sacheinlagen gegründet wurde, weist es kaum liquides Kapital auf. Durch Geschäftstätigkeiten konnte es aber einen gewissen Bankbestand (5.000 €) erwirtschaften.

Kontennachweis für die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)

Nach den gegebenen Geschäftsvorfällen lassen sich die relevanten GuV-Konten ableiten. Diese Konten gehören entweder zur Ertragsseite (Haben-Buchungen) oder zur Aufwandsseite (Soll-Buchungen) und ergeben am Ende den Jahresüberschuss. In einem separaten Artikel zeigen wir den Unterschied zwischen Summen- und Saldenliste und Kontennachweis auf.

Ertragskonten

Konto-Nr.KontoBetrag (€)
8400Umsatzerlöse20.000

Aufwandskonten

Materialaufwand

Konto-Nr.KontoBetrag (€)
3000Aufwendungen für Rohstoffe3.000
3100Aufwendungen für Hilfsstoffe2.000
3200Aufwendungen für Betriebsstoffe1.000
3400Aufwendungen für Waren3.000
3600Fremdleistungen1.000
Summe Materialaufwand10.000

Personalaufwand

Konto-Nr.KontoBetrag (€)
4100Löhne und Gehälter3.000

Sonstige betriebliche Aufwendungen

Konto-Nr.KontoBetrag (€)
4210Mietaufwand2.000

Steuern vom Einkommen und Ertrag

Konto-Nr.KontoBetrag (€)
7700Körperschaftsteuer (15 %)750
7740Solidaritätszuschlag (5,5 %)41,25
7750Gewerbesteuer (Hebesatz 400 %)700
Summe Steueraufwand1.491,25

Kontennachweis für die Bilanz

KontonummerKontenbezeichnungBetrag (€)
0200Grundstücke (nicht abschreibbar)1.000.000
1200Bankguthaben (Geschäftskonto)5.000
1360Sonstige Forderungen (Überzahlung Sozialversicherung)400
0800Gezeichnetes Kapital (Stammkapital)1.000.000
0860Jahresüberschuss vor Steuerzahlung5.000
0970Steuerrückstellungen (KSt, Soli, Gewerbesteuer)1.491,25

Errata

Wir danken den aufmerksamen Leserinnen und Lesern, die uns auf die folgenden Unstimmigkeiten hingewiesen haben.

  • Summe Materialaufwand von 1.000 Euro auf 10.000 Euro durch Tippfehler korrigiert. Gemeldet von Anonym.
  • Aktuell wurden uns noch keine Unstimmigkeiten gemeldet. Bitte senden Sie uns eine E-Mail an editorial@konfuzio.com und wir berücksichtigen Sie namentlich in dieser Sektion, sofern Sie dies wünschen.

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